Eine neue Freundschaft

 

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Seit einigen Wochen bekomme ich jeden Tag neue „Freundschaftsangebote“. Sie überwinden irgendwie die Firewall meines Notebooks und landen in meiner Mailbox. Es sind Angebote mit unzweideutigen Anspielungen und recht lästig, weil sie im Grunde etwas gänzlich anderes im Sinn haben. Als ich heute Morgen mal wieder zwei dieser „Freundschaftsangebote“ wegklickte, mich über die Hartnäckigkeit der Absender ärgerte, fiel mir spontan eine ganz andere Assoziation ein: Wie ist das denn mit Jesus? Er schickt mir keine E-Mail durch die Hintertür, dafür klopft er sachte an: an meine Herzenstür!

„Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an…“ so heißt in der Bibel in Offenbarung 3,20 über Jesus.

In einer weiteren Stelle lädt er uns zu sich ein mit dem Ruf:

„Kommt her zu mir…!“ (Matthäus 11,28)

Das Herzstück des christlichen Glaubens ist eine Beziehung, eine Freundschaft – mit Jesus.
Eine Beziehung zu einem anderen Menschen, den wir sehen und anfassen können, ist schon eine recht spannende und komplexe Sache. Das gilt für eine Beziehung mit Jesus, den wir nicht anfassen noch sehen können, mindestens ebenso. Einen Menschen gut kennenzulernen ist eine Lebensaufgabe. Jesus kennenzulernen wird eine ganze Ewigkeit dauern, aber es fängt hier schon an.
Eine neue Beziehung oder gar eine neue Freundschaft, die gelingen soll, das ist etwas, was wir in der Regel nicht so nebenbei erledigen können. Manchmal ist es geradezu richtig aufregend. Manchmal kann es uns obendrein den Schlaf rauben und unsere Gedanken werden ganz davon eingenommen, sodass wir selbst das Essen vergessen können. Dies ist der Zustand, wo schließlich andere über uns sagen: Die sind verliebt! Es sind die „Flitterwochen“ einer frischen Beziehung. Ist dir so etwas schon passiert? Dann weißt du, wovon ich hier rede.
Nicht wenige haben solche „Flitterwochen“ auch mit Jesus erlebt. Vielleicht bist du gerade jetzt in einer solchen Zeit bzw. erinnerst dich daran, wie es damals war, als du eine neue Freundschaft mit Jesus begonnen hast? Möglicherweise sind dir aber diese Gedanken oder Erfahrungen auch eher fremd und schreibst sie mehr gefühlsbetonten Menschen zu. Wie auch immer: Es geht im christlichen Glauben im Kern um eine Sache: die Liebesbeziehung – zu Jesus und ein erfülltes Leben mit ihm. Jesus sagt an einer Stelle im Johannesevangelium dazu:

„Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volles Genüge haben sollen.“ (Johannes 10,10)

Deshalb sollte als gläubiger Christ unbedingt eine fundamentale Frage für uns sein: Was fördert eine solche Beziehung zu Jesus und was steht ihr entgegen? Was sind typische Beziehungskiller und was sind charakteristische „Beziehungsförderer“?
Es ist an dieser Stelle hilfreich, sich erst einmal zu verdeutlichen, wie das zwischen zwei Menschen aussieht. Wenn uns das klarer wird, dann gelingt es viel eher, diesen Aspekt auf Jesus zu übertragen. Aus Platz- und Zeitgründen kann ich mich hier aber nur auf einige wenige wesentliche Punkte beschränken:

Beziehungskiller und Beziehungsförderer

Typische Beziehungskiller sind z.B. Gleichgültigkeit, mangelnde Anteilnahme oder einfach keine Zeit mehr für die andere Person zu haben – aus welchen Gründen auch immer. Wir hören dann kaum zu, sind mit den Gedanken woanders, und zwar dort, wo unsere eigenen Interessen und Vorlieben liegen. Somit geben wir dem anderen zu verstehen, dass er es im Grunde nicht wert ist, dass wir uns weiter mit ihm beschäftigen. Fallen euch Menschen ein, für die das zutrifft? Mir schon! Oft hat das damit zu tun, dass wir unseren eigenen unbewussten Zielen wie Anerkennung, Bedeutung oder Sicherheit den Vorrang geben und diese Menschen uns anscheinend nur die Zeit stehlen. Richtig nervig wird es hier, wenn diese Leute vehement oder penetrant unser Interesse einfordern. Schließlich fallen Bemerkungen wie: „Wenn du mich wirklich liebst, (magst, für mich bist…) dann hättest du mir besser zugehört, (mich eingeladen, dies und jenes für mich getan…)“. Solche Äußerungen sind richtig dicke Beziehungskiller. Liebe und Aufmerksamkeit werden eingefordert. Da diese in einer echten Liebesbeziehung aber natürlich nur freiwillig gegeben werden können, ist in einem solchen Verhalten schon der schleichende Tod der Beziehung, deshalb auch der Name Beziehungskiller, vorprogrammiert.
Das Gegenteil davon ist, dass ich den anderen loslasse, ihm die Freiheit gebe, mir seine Aufmerksamkeit zu schenken oder eben auch nicht. Ich verzichte darauf, den anderen für meine Bedürfnisse einspannen zu wollen. Ich bin dankbar für das, was er mir gibt und versuche nicht ständig darauf hinzuweisen, was er mir nicht gibt oder geben will. Ich höre aktiv zu, nehme mir Zeit und lerne dadurch den anderen besser und tiefer kennen. In größeren Abständen haben wir besondere Zeiten, wo wir über unsere Beziehung austauschen, was wir uns wünschen, wo wir uns ermutigen und dem anderen eine Hilfe sein können.
Weitere Beziehungskiller kommen ins Spiel, wenn wir nachtragend sind, dem anderen ständig seine Fehler vorhalten, nicht vergeben können oder wollen und ihn immer wieder anklagen. Oder wir lassen uns zu Bemerkungen hinreißen, wie: „Das schaffst du nie! Mit dir wird das nie was! Ohne dich funktioniert hier alles besser!“
Im Gegensatz dazu fördert es eine Beziehung, wenn wir unseren Glauben ausdrücken, dem anderen Mut machen, wie zum Beispiel: „Das war ein guter Anfang! Bleib dran, du wirst es packen! Ich bin gespannt, wie der nächste Schritt aussieht.“
In starken Beziehungen entdecken wir außerdem eine Haltung der Annahme des anderen, wie er ist – und nicht wie er unserer Meinung nach sein sollte. Weiter bemerken wir hier ebenso eine großzügige Einstellung gegenüber Schwächen wie auch Fehlverhalten des anderen, eng gekoppelt mit tiefgreifender Vergebungsbereitschaft, wo Grenzen übertreten wurden oder auch Verletzungen geschehen sind.
Wiederholtes bzw. gar beständiges Murren oder Nörgeln, besonders wenn dies von einem nahestehenden Menschen kommt, kann einem ganz schön auf die Nerven gehen und wird die Beziehung letztlich „killen“. Dies führt mit Sicherheit dazu, dass diese mehr und mehr Energie kostet. Schließlich ist man sogar froh, wenn der murrende, nörgelnde oder auch streitbare Partner abwesend ist. Das ist dann der erste Schritt zur Trennung.
Danken und Loben dagegen bauen auf und wir fühlen, wie uns durch solche Ermutigungen Flügel wachsen. Wir bekommen neue Kraft und Energie und es startet ein positiver Kreislauf, von dem alle beide schließlich profitieren werden.

Diese Erkenntnisse und Einstellungen über Beziehungen gilt es nun zu übertragen – auf Jesus. Geht das denn überhaupt? Jesus ist ja nicht nur irgendein Mensch. Er ist die Liebe in Person. Er ist Gott. Er hat keine irdischen Begrenzungen. Sein Reichtum ist legendär. Er ist voller Macht, Glanz und Kraft – und im selben Atemzug ganz von Demut und Sanftmut durchdrungen. Er hat den Tod überwunden, er ist voller Leben und Kreativität. Er ist dir gegenüber absolut niemals gleichgültig oder gar desinteressiert. Er drängelt sich selbst nicht auf, er dominiert und kontrolliert dich keinesfalls, sondern er lädt dich ein – bei ihm zu sein. Er widersteht den Versuchen, sich instrumentalisieren zu lassen. Er lässt sich auch unter keinen Umständen vor unseren Karren spannen, sondern nimmt uns stattdessen an seine liebende, durchbohrte Hand. Es schmerzt ihn, wenn die Menschen ihm den Rücken zuwenden. Er ruft sie immer noch – von ihm zu empfangen, sofern sie sich überhaupt an ihn wenden. Und so fragt er dich auch heute: „Willst du mich tiefer und besser kennenlernen?“

Auf diese Einladung von Jesus gilt es eine Antwort zu finden. Dabei geht es nicht um ein erstes Date, sondern um eine Bereitschaft, in der Beziehung mit Jesus zu wachsen.
Was unternehme ich, wenn ich jemand mehr und besser kennenlernen will? Ich treffe mich öfters mit ihm – je nach Bedarf.

David drückt das im Psalm 63,7 so aus: „Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.“ An anderer Stelle schreibt der Psalmist: „Ich lobe dich des Tages siebenmal…“ (Psalm 119,164). Und wiederum an weiterer Stelle lesen wir: „Meine Seele wartet auf den Herrn, mehr als die Wächter auf den Morgen“ (Psalm 130,6).

Offensichtlich hatten die Verfasser dieser Zeilen eine Beziehung zu Gott, die über eine Begegnung am Sonntagmorgen weit hinausging.
Wenn du Jesus tiefer und mehr kennenlernen willst, wird sich das auf irgendeine Art und Weise in der Zeit ausdrücken, die du mit ihm verbringst. Manche bevorzugen regelmäßige, tägliche Dates, einige reservieren sich außerdem exklusive Zeiten wie ganze oder halbe Tage und andere sind ein paar Tage „dann mal weg!“, nicht um ihr Haus zu renovieren, sondern um mit Jesus zusammenzusein. Einige gehen bei ihren Verabredungen mit Jesus gerne in die Natur spazieren, andere ziehen sich lieber in ihr Arbeitszimmer zurück. Wiederum andere bevorzugen die stille Atmosphäre in einer Kirche und weitere verbringen die besten Stunden mit Jesus in einem Lehnstuhl oder einer Relaxliege. Ich selber habe zum Beispiel, für viele vielleicht ungewohnt, in der Badewanne wiederholt richtig gute Zeiten mit Jesus gehabt. Finde heraus, was dir am besten liegt, die Heiligen der Bibel und der Kirchengeschichte waren sehr verschieden – und ihre Verabredungen mit Gott ebenso.
Was tut man nun während einer solchen Zeit? Sollen wir ständig das „Vater Unser“ beten – oder was? Natürlich nicht! Was wäre denn das für eine Beziehung, in der dein Partner beispielsweise dir immer wieder einen vorgefertigten Text rezitiert.
Wir können davon ausgehen, dass Jesus uns auf jeden Fall schon sehr, sehr gut kennt. Umgekehrt haben wir da ihm gegenüber erheblichen Nachholbedarf. Daher liegt es jetzt an uns, dass wir uns zu ihm hin ausstrecken und ihn tiefer kennenlernen, damit eine echte Beziehung entsteht. Und je mehr das geschieht, umso erfüllter und beglückender werden wir diese Beziehung erleben.
Da Jesus für unsere klassischen Sinne nicht so deutlich erfahrbar ist, wie ein normaler menschlicher Partner, hat Gott uns einige Hilfen an die Hand gegeben, mit denen wir auf eine Entdeckungsreise gehen können: Jesus mehr, tiefer und besser kennenzulernen. Um diese „Beziehungshilfen“ geht es in den nächsten Lektionen.

Anregungen zum Nachdenken

  1. Welche Beziehungskiller hast du schon bei Menschen erlebt? Was hat das mit dir gemacht?
  2. Welche „Beziehungsförderer“ hast du schon durch andere Menschen erfahren? Wie hast du diese erlebt?
  3. Was lernen wir aus folgenden Bibelstellen über unsere Beziehung zu Jesus?

Psalm 23
Kolosser 2,6+7
Lukas 10,38-42
Matthäus 11,28-30
Kolosser 3,16+17

Welche beziehungsfördernde Anregungen für deine Jesusbeziehung kannst du hier entdecken?
Schaue sie dir anschließend in Ruhe nochmal an. Wenn es dabei einen Punkt gibt, den du gerne in deinem Leben sehen würdest, dann bitte Gott, dir in diesem Bereich eine wachsende Beziehung zu Jesus zu schenken.
Überlege danach, wie ein erster Schritt in dieser Richtung konkret
aussehen könnte.

 

Hier findest du die Anregungen zum Nachdenken

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